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Gewalt gegen Frauen steigt

Trauriger Rekord in Österreich

In Österreich wurden alleine letztes Jahr über 30 Frauen von ihren (Ex-)Partnern ermordet. Damit liegt Österreich europaweit an der Spitze. Es scheint so, als würde sich dieser Trend 2019 fortsetzen. Maria Rösslhumer vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser über schwere Gewalt, Hass im Netz und ein zerrüttetes Männlichkeitsbild.

Körperliche und sexuelle Gewalt

Jede 5. Frau ist ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Jede 3. Frau hat bereits sexuelle Belästigung erfahren. Jede 7. Frau ist von Stalking betroffen. So die tragischen Ergebnisse einer EU-weiten Erhebung. Auch in Österreich sieht es nicht viel anders aus: Jeden Monat werden 2 Frauen von ihren (Ex-)Partnern ermordet. Dieses Jahr liegt der tragische Rekord bei 33 getöteten Mädchen und Frauen.

 

„Ob die Gewalt generell zunimmt, ist schwer zu sagen, dazu liegen uns zu wenige Zahlen vor. Was man sagen kann ist, dass die schwere Gewalt zunimmt, also Morde und Mordversuche", sagt Maria Rösslhumer. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Anruferinnen bei der Frauenhelpline zu. Immer mehr Frauen haben den Mut, sich Hilfe zu holen und sich an eine offizielle Stelle zu wenden. Rösslhumer sagt: „Gerade die #metoo Bewegung hat Frauen Mut gemacht, sich zu öffnen. Viele sind sich unsicher, wie sie ihre eigene Geschichte einordnen oder abgrenzen sollen. Das betrifft auch schon viele junge Mädchen in Schulen, die es nicht gut einschätzen können: Was ist Gewalt? Gerade in der verliebten Phase ist es schwer einzuschätzen, ob eine Gewaltbeziehung beginnt und was Gewalt eigentlich ist.“

"Es geht so schnell und man ist in diesen Beziehungen drinnen."

Hass im Netz

Gerade Mädchen und Frauen sind von der verbalen Gewalt im Internet betroffen, ihnen werden Vergewaltigungen oder sexuelle Belästigungen angedroht. Dieser Hass bleibt nicht immer im Netz. „Von der verbalen Gewalt oder der sexualisierten Gewalt bis hin zur körperlichen Gewalt ist es dann nicht mehr weit. Dann kann es sein, dass es die eigene Partnerin trifft, sagt Maria Rösslhumer.

 

Gerade jungen Frauen sollte man deshalb vermitteln, dass sie ein Recht haben, sich zu wehren und schon früh in der Beziehung etwas tun können. Maria Rösslhumer sieht das auch als eine ihrer Aufgaben. Sie sagt: "Jungen Frauen muss man vermitteln, dass niemand - schon gar nicht der eigene Freund - das Recht hat, sie so zu behandeln. So eine Beziehung tut nicht gut, sie ist freiheitsberaubend und einschränkend."

Wenige Vorbilder

Neben den jungen Frauen benötigen auch junge Männer Unterstützung. Ihnen fehlt ein positives Männlichkeitsbild. "Manche Männer, die in den Medien oder in der Politik vorkommen, sind kein gutes Vorbild. Angefangen bei Donald Trump, der Übergriffe und sexuelle Belästigungen herunterspielt", sagt Rösslhumer. Gerade junge Männer, die von Kriegs- oder Fluchterfahrungen traumatisiert sind, benötigen besonders viel Unterstützung.

 

Doch auch in Österreich fehlt es an einigen Werten. Rösslhumer sagt: "Was heißt es, ein Mann zu sein? Dass das auch heißt, partnerschaftlich, respektvoll zu sein und Wertschätzung zu zeigen, ist in letzter Zeit abhandengekommen."

So können sich Frauen wehren

Am besten ist es, sich bereits früh an eine Vertrauensperson oder die Frauenhelpline zu wenden. Darüber zu sprechen, wenn einem etwas komisch vorkommt, ist meistens der erste Schritt.Je mehr man mit anderen spricht, desto besser. Wenn Frauen sich stärken, hat der Freund auch nicht mehr so viele Chancen, Macht auszuüben. Viele lassen sich isolieren und einschränken. Es geht so schnell und man ist in diesen Beziehungen drinnen", sagt Maria Rösslhumer.

Frauenhelpline

Frauenhelpline gegen Gewalt:
0800/222 555 rund um die Uhr besetzt, österreichweit, anonym, kostenlos und mehrsprachig.

ZUR PERSON

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Maria Rösslhumer koordiniert als Chefin des Vereins „Autonome Österreichische Frauenhäuser” die Aktivitäten von 15 Frauenhäusern in Österreich.